Land-News

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Dienstag, 17. Januar 2017




Wir wollen raus



Obwohl ich nichts dafür kann, weil ich mich einer Verordnung beugen muss, habe ich ein schlechtes Gewissen - jeden Tag, wenn ich zu meinen Tieren gehe. Jedesmal, wenn ich in den verwaisten Auslauf schaue.
Unser Geflügel hat ca. 1000 qm Wiese zur Verfügung mit Bäumen, Sträuchern, Sandkuhlen zum Baden für die Hühner und einen Teich für die Gänse. Die Ställe sind nur Schlaf - und Futterplatz und entsprechend klein.
Gänse sind Weide - und Wassertiere. Sie benötigen Wasser zur Gefiederpflege. Dabei schmaddern und plantschen sie herum, schlagen mit den Flügel, dass es nur so spritzt, damit das Wasser zwischen alle Federn gelangt.



Neben baden und dem Einfetten und Glätten des Gefieders gehört Grasen zu ihrer Hauptbeschäftigung. Stundenlang wandern sie langsam über die Wiese, zupfen hier und rupfen dort. Bei geschlossener Schneedecke gibt es zwar nicht so viel Gras, aber etwas finden sie immer an geschützten Stellen unter Bäumen und Sträuchern. Damit sie derzeit wenigstens ein bisschen an die Luft kommen, haben wir einen Gemüsetunnel gekauft. Der bietet 8 qm (+ 6 qm Stall). Ein Witz an Bewegungsfreiheit also. Es reicht gerade, dass jeweils eine Gans sich ordentlich recken und die ausgebreiteten Flügel schlagen kann, was in etwa den gleichen Effekt hat wie bei uns morgendliches Räkeln im Bett oder Dehnungsübungen zur Lockerung der Muskeln. Nun hocken sie den ganzen Tag herum. Statt einer Badewanne  gibt es nur einen Eimer. Grasen ist nicht möglich. Die Tiere sind nicht beschäftigt und langweilen sich. Bei der letzten Stallpflicht habe ich mehrere Ganter verloren, weil sie sich in der Enge des Stalles nicht ausweichen konnten und anfingen, sich zu bekämpfen. Letztendlich blieb uns nichts anderes übrig, als  alle - bis auf einen - schlachten zu lassen, bevor sie sich gegenseitig umbringen. Mir ist selten etwas so schwer gefallen.
Hühner scharren den ganzen Tag. Sie haben immer zu tun. Bei Langeweile fangen sie an, sich gegenseitig anzupicken, zu hacken oder miteinander zu kämpfen. Ich versuche, sie zu beschäftigen, indem ich Stroh und Futter auf dem Boden verteile und sie so ihrem Bedürfnis zu Scharren nachkommen können. Oder sie bekommen Möhren und Äpfel zum Picken. All das bleibt eine Krücke.
Das ganze hat einen Namen: H5N8 = staatlich verordnete Stallpflicht.
Viren gab es schon immer und wird es immer geben. Tiere mit einem starken Immunsystem erkranken seltener. Das ist eine Binsenweisheit. Natürlich stecken sich einzelne Tiere an und manche sterben auch. Die, die eine Infektion überstehen, sind immun und in ihrem Blut findet man Antikörper. Übrigens ist alleine der Nachweis der Antikörper schon ein Grund zur Keulung. Dabei bedeutet er nichts anderes, als dass eine Infektion durchgemacht wurde, so wie in unserem Körper z.B. Antikörper gegen Windpocken zu finden sind, wenn wir welche hatten. Deswegen stecken wir aber niemanden mehr an.
Die Tiere in Massentierhaltungen sind extrem anfällig. Die Enge, die Wärme, der Stress begünstigen die rasante Vermehrung des Virus. Das Problem ist, dass der Mensch diese Tiere zum Maßstab nimmt und sich somit am schwächsten Glied der Kette orientiert. Aber nicht etwa zum Wohle der Tiere. Die sterben ja sowieso. Ob sie gekeult oder geschlachtet werden, dürfte ihnen herzlich egal sein. Der Gradmesser ist der Profit. Und nur darum geht es. Also müssen wir Hobbyzüchter und Halter unsere Tiere den gleichen krankmachenden Bedingungen aussetzen, um eine (angebliche) weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.
Mir stellt sich die Frage, wieso ausschließlich Tiere in Massentierhaltung betroffen sind. Diese Tiere leben in hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen Ställen, in die kein vorgefiltertes und vorher entseuchtes Lüftchen dringen kann. Wie bitte soll ein Wildvogel dort Überträger sein?
Das Friedrich-Löffler-Institut - als einziges Institut mit der Erforschung der Vogelgrippe betraut - hat nach zehn Jahren Forschung keine andere als die Wildvögel-Theorie? Ziemlich mager und lächerlich. Denn es liegt auf der Hand, dass Menschen selbst  die Ausbreitung der Seuchen. fördern. Weil wir die Tiere unter diesen grauenhaften Bedingungen halten. Weil wir Fleisch und Futtermittel durch die Welt karren. Weil wir weit mehr Gülle und andere Ausscheidungen weit flächig auf unser Land kippen, als der Boden vertragen kann, und, und, und.
Doch das will niemand hören, geschweige zugeben. Müsste man ja was ändern. Wie viel einfacher ist es, den Wildvögeln die Schuld zu geben. Geflügel rein, Stalltür zu - fertig.
Kürzlich las ich die Aussage eines Landwirtes bezüglich der Aufrechterhaltung der Stallpflicht (sinngemäß) "Die Vogelzüge sind zwar längst weg. Aber sie kommen ja irgendwann wieder".
Na, toll. Und im Herbst fliegen sie erneut Richtung Süden. Am besten lässt man sein Geflügel gar nicht mehr raus. Dann kann auch niemand krank werden. Aber ich wette, auch in dem Fall würden die Tiere an irgendwas sterben. Und sei es aus Langeweile.

Ich habe schon daran gedacht, mit der Geflügelhaltung aufzuhören. So habe ich einfach keine Freude daran. Ich möchte den Tieren doch das Leben bieten, dass ihnen gebührt.
Aber wozu lebe ich dann auf dem Land? Und wenn ich aufhöre, gibt es wieder einen weniger, der diesem Irrsinn der industriellen Tierhaltung echtes Leben mit Tieren entgegensetzt. Der alte Rassen erhält und somit (Gen)Vielfalt. Wie arm und farblos wäre die Welt ohne Langschaan, Deutsches Lachshuhn, Wyandotten, Sulmtaler, Orpington, Vorwerk, Haubenhühner, Brahma, Sussex, Niederrheiner Gelbsperber, Sundheimer, Lakenfelder, Barthühner, ...
ohne Lippegänse, Leinegänse, fränkische Landgänse, Emdener, Diepholzer, ...
ohne Bronzeputen, Ronquieres-Puten und Cröllwitzer, ...

Also - Weitermachen und darauf hoffen, dass ein Gedanke sich verbreitet:
Freilandhaltung macht Tiere nicht krank, sondern erhält sie gesund.  

Samstag, 14. Januar 2017

Allen Klimaprognosen zum Trotz haben wir nun doch noch Winter. Ja, ich weiß - das eine ist Klima und das andere ist Wetter. Und wir haben jetzt eben einfach Wetter.

In den letzten zwei Tagen hat es ordentlich geschneit. Die Hunde freut's. Sie tollen herum und wälzen sich mit Wonne darin. Für unseren jungen Hund (der Blonde) ist das die erste Begegnung mit Schnee. Ein wenig verwundert war er schon, als er gestern morgen bis zum Bauch in einer Schneewehe versank.
Aber bislang habe ich noch nicht erlebt, dass ein Hund keinen Schnee mag. Und auch er rannte gleich begeistert weiter, die lange Nase in den Schnee gegraben.
Meine Befürchtung, der Kleine könnte frieren (er hat ja vergleichsweise wenig Fell, wenn man unseren "Dicken" ansieht), hat sich nicht bewahrheitet. Bei Spaziergängen ist er gut unterwegs.
Allerdings weiß er anschließend seine Kudde mit den kuscheligen Decken sehr zu schätzen, während sein Hundekumpel lieber im kühlen Flur schläft.

  






Mittwoch, 11. Januar 2017

Meine Güte, war ich lange nicht hier. Das Jahr ist unglaublich schnell vergangen. Ab jetzt werde ich wieder regelmäßig vom Landleben berichten.

Im letzten Jahr hatten wir viel Pech mit unserem Geflügel. Es fing damit an, dass aus den im Brutkasten bebrüteten Eiern nur drei von zehn Küken schlüpften. Einige Embryos waren in einem frühen Stadium abgestorben, andere komplett entwickelt und kurz vor dem Schlupf gestorben.
An den „technischen“ Parametern konnte es nicht gelegen haben. Die prüfe ich immer sorgfältig. 
Da hatte wohl die Natur ihre Hand im Spiel.
Dann setzte sich eine Glucke. Leider nicht meine beste, erfahrenste Bruthenne. Die hatte keine Lust. Vermutlich, weil sie schon wusste, dass 2016 kein gutes Kükenjahr würde. Ich gab der anderen Henne zehn Eier. Nach zwei Wochen Brutzeit verließ sie das Nest und war fertig mit dem Brüten. Hat man dafür Worte? Leider bemerkte ich ihre Unlust zu spät. Die Eier waren bereits kalt, alle Embryonen (acht Stück) tot.
Eine andere Glucke brütete dann doch noch vier Küken aus und führte sie vorbildlich.

Im Sommer - ein Schock. Am helllichten Tag fiel der Fuchs ein und tötete drei Hühner. Eins schleppte er weg, die anderen lagen im Auslauf, quasi als Vorrat. Da kommt man gutgelaunt vom Hundespaziergang und findet ein Massaker vor. Furchtbar!
Wir verstärkten den Zaun.
Eine Woche später kam der Fuchs wieder. Dieses Mal tötete er alle Perlhühner. Sie hatten so hervorragend gewächtert. Alle anderen Hühner saßen sicher im Stall. Aber sie selbst konnten sich nicht retten.
Daraufhin haben wir Elektrodraht gezogen und zum Glück war danach Ruhe. Ich habe ja Verständnis für den Fuchs. Er wird viele Junge gehabt haben und für ein Huhn muss er etwa dreißig Mäuse fangen. Doch bei dieser Maßlosigkeit hört mein Verständnis auf. Außerdem hat er unser Agreement gebrochen. Ich hatte ihm versprochen, er bekommt jedes Huhn, das wir nicht mehr essen möchten, weil zum Beispiel der Habicht dran war oder es zu alt war. Dafür lässt der Fuchs die Hühner in Ruhe. Ich habe meinen Teil der Abmachung eingehalten. Bis jetzt. 




Damit war aber noch nicht Schluss. Im Herbst kam der Habicht und tötete in drei Wochen drei der im Frühjahr geschlüpften Küken. Natürlich die Hennen. Aber ich will mich nicht beschweren. Die Hähne sind sehr schön anzusehen. Und viele Eier zu essen, soll ja auch ungesund sein.

Das einzige Highlight des Jahres  (zumindest was die Geflügelhaltung betrifft),  war der Kauf von vier Deutschen Langschaan. Diese Hühnerrasse gehört zu den vom Aussterben bedrohten Haustierrassen. Sie sind sehr zutraulich, mutig, wunderschön und haben sich prächtig entwickelt. Mit ihnen werde ich in diesem Jahr weiterzüchten. 






Dieser Blog ist leider ziemlich blutrünstig geraten. Aber das Leben hier ist eben nicht nicht immer so wie in der Landlust.


Das Jahr endete passend -  mit der Stallpflicht wegen der Geflügelgrippe. Seit Mitte November hocken die armen Tiere nun im Stall. Ende offen. Doch über dieses (Aufreger)Thema berichte ich demnächst.

Samstag, 16. Januar 2016

Winter -des einen Freud, des anderen Leid

Nun ist er doch noch angekommen, der Winter.
Die Ponys fühlen sich endlich mal wieder wie richtig auf Island und nicht so, als hätte man sie in die Heimat ihrer wärmeliebenden andalusischen Verwandtschaft umgesiedelt.
Der Hund liebt den Schnee sowieso.
Die Hühner finden ihn grässlich.

Und wir Menschen? Ich mag es, obwohl alle Arbeiten beschwerlicher sind, das Wasser einfriert und ich jeden Eimer aus dem Haus schleppen muss.
Aber dafür ist es wunderbar still im Wald, wenn ich mit dem Hund unterwegs bin. Der Hund kommt sauber ins Haus. Und drinnen ist es besonders gemütlich.

Andere Menschen lieben den Schnee ebenfalls. Und an diesem Wochenende werden sie wieder einfallen -  die Rodelbegeisterten aus dem Ruhrpott.
Es zieht sie zu der Rodelwiese direkt an der Autobahn-Abfahrt. Praktischer geht es kaum.
Die Würstchenbude ist pünktlich zur Stelle. Ein Dixi-Klo steht ebenfalls bereit. Fein, denn sonst findet man als Spaziergänger noch Tage danach in den umliegenden Wäldern mehr Tempotücher als Tannenzapfen auf dem Boden.

Die Besucher vereint die Freude am Schlittenfahren und vor allem am Falschparken an der Hauptstraße. „Wildschweinparken“ nennt mein Mann das.
Wer hat schon Lust, beladen mit Schlitten, voll gepackten Rucksäcken und quengeligen Kindern „Papa, wie weit noch?“ ein paar Hundert Meter vom Wanderparkplatz aus zu laufen?
Da stellt man sein Auto doch lieber in eine Zufahrt oder nur mit den Vorderrädern in eine Lücke, während das Hinterteil auf der Hauptstraße hängt. Ist ja auch beim Ausladen viel praktischer, als wenn man sich zwischen zwei Stoßstangen quetschen muss.

Kleinkinder im Mini-Michelin-Anzug hüpfen erwartungsvoll um ihre Eltern herum. Hunde erhängen sich fast in ihren kurzen Leinen, bei dem Versuch Füßen und Rädern auszuweichen. Kinderwagen mit und ohne Inhalt, Schlitten in allen Größen und Farben werden großzügig neben den Autos verteilt. Da muss man sich als vorbeifahrender Autofahrer schon sehr anstrengen, um in dem Getümmel niemanden mit irgendeiner Ecke des Fahrzeugs zu treffen.
Die Polizei findet sich inzwischen häufiger ein, verteilt Strafzettel und lässt PKW aus dem absoluten Halteverbot auf die Parkplätze schleppen.

Für Einheimische gilt wie jedes Jahr: „Bitte umfahren Sie den kritischen Bereich großräumig“.

Freitag, 8. Januar 2016

08.01.16

Heute ist ein wunderschöner Tag. Die Sonne scheint und nur ein paar Wölkchen ziehen  über den ansonsten strahlend blauen Himmel.
Die Vögel zwitschern, das hofeigene Eichhörnchen turnt im Haselstrauch. Primeln und Ringelblumen blühen und die Bodendeckerrose setzt neue Triebe an. Unkraut jäten könnte ich auch schon wieder. Wieso es einfach immer viel schneller wächst als die anderen Pflanzen ist ärgerlich, aber nicht zu ändern.







Wieso ich das erzähle? Wo doch alles normal läuft im Garten?
Weil heute der 08. Januar ist.

Samstag, 19. Dezember 2015

Die Welt ist bunt

In der Pferdewelt gibt es kaum eine größere Farbvielfalt als bei den Islandpferden. Neben den klassischen Rappen, Füchsen und Braunen gibt es unzählige Farbabstufungen, Aufhellungen, mehrfarbige Mähnen und Schweife.
Ich mag gerne die Falben. Es gibt Maus - (oder Grau)falben,  Braunfalben und Rotfalben, die immer am Aalstrich zu erkennen sind, der am Widerrist anfängt, über den Rücken geht und sich im Schweif verläuft. Ein berühmter Falbe (allerdings ist das ein Quarterhorse und dort heißt die Farbe Buckskin) ist das Pferd von Vater Ben in der Serie Bonanza.

  

                                             Graufalbe (im Hintergrund ein Isabell)

Die Farbpalette des Isabell reicht von creme bis gold. Es gibt porzellanfarbene, windfarbene (dunkel mit silberfarbenem Behang - megaschick), Cremellos und Perlinos.
Besondere Hingucker sind die Erdfarbenen, vorallem die hellen. Ihr Fell hat die Farbe von Vanillieeis. Die Beine sind schwarz, ebenso die Behänge.  Besitzen sie dazu noch das Falbgen, haben sie auch einen Aalstrich.


 

                                                      Erdfarb-falbschecke im Winter




                                                  ...im Sommer ( weil er ein Schecke ist, hat er weiße                                                                                     Beine. Man sieht aber noch die schwarzen                                                                                                         "Reste")


Das alles gibt es zusätzlich als Schecke oder Schimmel oder Farbwechsler. Der Schecke ist dauerhaft farbig mit mehr oder weniger weiß. Der Schimmel wird farbig geboren und später weiß, z.B. wird ein Braunschimmel komplett braun geboren und "schimmelt" langsam aus. Kommt er als Braunschimmelschecke zur Welt, ist er als Fohlen braun-weiß-gescheckt und die Farbe verschwindet irgendwann, bis er komplett weiß ist.
Der Farbwechsler hat weiße Stichelhaare, die je nach Jahreszeit stärker hervortreten und das Pferd in einer anderen Farbe erscheinen lassen.
Dazu kommen natürlich noch die diversen Abzeichen, wie Blessen, Sterne, Schnippen, und, und, und...
Für mich gibt es kaum ein schöneres Bild als das einer bunten Herde Isländer. Es geht allerdings noch wensentlich bunter als auf diesem Foto.



Sonntag, 29. November 2015

Heute ist einer dieser Tage, an denen die Dunkelheit in Dämmerung und wieder in Dunkelheit übergeht. Schwedenwetter würde ich das nennen.

Aber auch dem kann man viel Schönes entlocken. Für mich gehört Lesen dazu.
Eine spannende, interessante, unterhaltsame oder gruselige Geschichte, dazu einen Becher Kaffee und - weil heute der 1. Advent ist - ein paar Vanilliekipferl oder Spekulatius.

Besonders gut gefallen hat mir "Die Magie der kleinen Dinge" von Jessie Burton.
Eine Geschichte, die den Leser ins Amsterdam des 17. Jahrhunderts entführt. Die junge Petronella (Nella) wird mit einem erfolgreichen Kaufmann verheiratet und zieht vom Dorf in die Stadt. Dort erfährt sie zunächst nur Ablehnung. Besonders ihre Schwägerin benimmt sich regelrecht feindselig.
Ein Puppenhaus - das Geschenk ihres Mannes - bringt eine unerwartete Wendung und mit Hilfe der "kleinen Dinge" kommt Petronella einem großen Geheimnis auf die Spur.

Und um noch ein wenig Werbung für mich selbst zu machen, hier eine Kurzgeschichte aus meinem Buch  "Der gestreifte Spanier":



      Katzenfutter

„Verdammtes Vieh!“ Mit einem Ruck zog Heinz die schwere Gardine vor das Fenster.
„Was ist?“, rief Lore aus der Küche.
„Eines Tages knall ich sie ab.“
„Aber Heinz, lass doch die Katze.“ Lore kam ins Wohnzimmer und mit ihr der Duft von gebratenem Fleisch.
„Sie tötet meine Vögel, diese Scheißkatze.“
„Das ist Natur. Außerdem fängt sie Mäuse. Sogar Ratten, sagt Frau Schultheiß. Sind dir Ratten im Garten lieber? Die fressen auch Vögel. Junge, die noch im Nest sitzen.“ Lore schüttelte den Kopf. Anfangs hatte sie sich über Heinz‘ neu gewonnenes Interesse gefreut. Ja, hatte ihn geradezu gedrängt, sich ein Hobby zu suchen, nachdem er seinen Beruf nicht mehr ausübte. Den ganzen Tag war er ihr vor den Füßen herumgelaufen. Ein Störenfried in ihrem gewohnten Ablauf von Einkaufen, Kochen und Putzen. Doch genauso akribisch, wie er vorher Einkommensteuererklärungen geprüft hatte, übte er nun die Vogelkunde aus.
Jeden Tag saß er stundenlang am Fenster oder im Garten und beobachtete Amseln, Meisen und Rotkehlchen. Auf seinem Schreibtisch lag ein kleines, schwarzes Buch, in das er jeden Vogel eintrug, der seinen Weg in den Garten fand. Er notierte sogar die Anzahl der Bruten und Jungtiere, die auf seinem Grund und Boden aufgezogen wurden.
Erschien eine neue Art, strahlte sein sonst so missmutiges Gesicht. Und das war mehr, als sie ihm in den letzten Jahren hatte entlocken können. Sie wollte ihm diese Leidenschaft ja gar nicht nehmen, aber es kam ihr so vor, als gehöre sie nach den vielen Ehejahren nur noch zum praktischen Inventar des Haushaltes, so wie der Allzweckreiniger.
Heinz kümmerte sich nur um die Vögel.
Wenn der Herbst nahte, stellte er gefüllte Futterhäuschen auf und hängte Meisenringe an die Zweige der Bäume.
Rund und dick wie Knödel hockten die Vögel auf den Sträuchern, dicht am Haus. Zu voll gefressen zum Singen.
Manche klopften sogar dreist mit dem Schnabel an die Fensterscheibe, wenn der Futtervorrat zur Neige ging oder sie die schmackhaftesten Körner herausgepickt hatten.
Heinz strahlte und freute sich über ihre Zutraulichkeit. Doch in Lore wuchs der Ärger. Schließlich war sie es, die mühselig den angetrockneten, scharfen Kot abkratzen musste.

Eines Morgens entdeckte Lore eine schwarz-weiße Katze, die geduckt durch den Garten schlich. Vermutlich gehörte sie den neuen Eigentümern eines der Nachbarhäuser.
Innerhalb weniger Tage stürzte sie Heinz‘ geordnete Welt ins Chaos.
Sein sorgfältig gepflegtes Vogelparadies entpuppte sich als Schlaraffenland. Die Katze pflückte ihre Opfer von den Ästen. Effizient und energiesparend.

„Hast du darüber nachgedacht, dass deine ewige Fütterei die Vögel erst zu einer leichten Beute macht? Die können doch kaum mehr fliegen“, schimpfte Lore.
„Red nicht so einen Unsinn. Bald kommt der Winter. Sie müssen gut genährt sein, damit sie ihn überstehen. Sehe ich dieses Vieh noch einmal, schieße ich ihm eine Kugel durch den Kopf“, grollte Heinz.
„Warum redest du nicht mit den Nachbarn. Wenn sie der Katze ein Glöckchen umhängen, hören die Vögel sie rechtzeitig und können wegfliegen.“ Heinz würde es fertig bringen und die Katze tatsächlich töten. Außerdem konnte Lore sich eines kleinen, fiesen Gedankens nicht erwehren. Oft wünschte sie, die Katze würde viel mehr dieser feisten Körnerfresser wegschleppen, die ihr die Fensterbänke voll kackten und Heinz volle Aufmerksamkeit genossen.
Manchmal, wenn er es nicht bemerkte, stellte sie der Katze eine Schüssel mit frischer Milch hin, damit sie auf keinen Fall das Jagdrevier wechselte.

Eines Nachmittags traf Lore ihre Nachbarin beim Einkaufen.
„Haben Sie schon gehört, Frau Krieger? Die Katze von Neuberts. Sie wissen doch. Das sind die, die in Kramers Haus gezogen sind.“ Vertraulich beugte Frau Schultheiß sich so weit vor, dass sie fast mit Lore zusammengestoßen wäre, und senkte die Stimme.
„Die Katze wurde vergiftet. Stellen Sie sich vor! Ist das nicht furchtbar? Gestern haben sie sie im Garten gefunden. Schrecklich entstellt, mit Schaum vor dem Maul. Die arme Frau Neubert hat einen Schock.“
„Gott, wie entsetzlich“, erwiderte Lore. Eilig verabschiedete sie sich und fuhr so schnell es ging nach Hause.

Heinz saß auf seinem Stammplatz und beobachtete die übergewichtigen Amseln auf der Fensterbank.
„Die Katze wurde vergiftet. Hat Frau Schultheiß mir gerade erzählt“, sagte sie barsch.
„So? Na, dann kehrt ja endlich Ruhe ein.“ Deutlich sah Lore das zufriedene Lächeln auf seinem Gesicht.

Zähneknirschend fuhr sie fort, den Kot von den Fensterbänken zu schrubben, während Heinz seine gefiederten Freunde betrachtete.
„Es kommen immer weniger Vögel in den Garten. Ich verstehe das nicht. Es ist doch alles wie immer“, bemerkte er eines Abends beim Essen.
Lore zuckte mit den Schultern. „Vielleicht haben sie einen besseren Platz gefunden.“
„Besser als hier?“ Sein Gesicht nahm auf einmal einen so traurigen Ausdruck an, als würde mit den Vögeln auch das letzte Restchen Freude aus seinem Leben verschwinden. Für einen kurzen Moment empfand Lore Mitleid mit ihm.
Heinz seufzte, dann widmete er sich wieder dem knusprig gebratenen Fleisch auf seinem Teller. Seine Lippen glänzten fettig.
„Sag mal, Lore, wie viel von diesem Sonderangebot Wachteln hast du eigentlich noch? Die schmecken richtig lecker.“



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Ich wünsche allen einen schönen, gemütlichen 1. Advent