Land-News

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Freitag, 31. Juli 2015

Kinder lieben Märchen. Feen und Hexen, die Abenteuer von Prinzen und Prinzessinnen, und sprechende Tiere regen ihre Phantasie an. Dann träumen sie sich selbst in diese Geschichten hinein. Sind tapfere Helden, die den Drachen besiegen oder eine gute Fee erfüllt ihnen drei Wünsche.    
Erwachsene lesen Märchen meistens nur noch vor. Den Kindern nämlich.
Eigentlich schade.
So habe ich die Märchen meiner Kinderzeit zum Anlass genommen, darüber nachzudenken, wie Märchenfiguren in unsere Zeit passen würden. Oder was aus Schneewittchen, Jahre nach ihrer Hochzeit, geworden ist.

Fünf Märchen sind entstanden, die ich in einem ebook zusammengefasst habe.




erhältlich bei amazon und xinxii


Leseprobe:

  

Drei gute Wünsche

 Guido hasste Wünsche. Wünschen bedeutete warten. Und Guido hasste warten. Außerdem erfüllten sich seine Wünsche sowieso nie. Egal, wie doll er sich das, was er gerne haben wollte, vorstellte oder wie stark er daran dachte. Als kleiner Junge hatte er sogar abends vor dem Schlafengehen den lieben Gott darum gebeten, ihm ein Skateboard zu schenken, ein Fahrrad oder teure Klamotten.  Bekommen hatte er nie etwas davon. Irgendwann hatte er mit dem Wünschen aufgehört und sich einfach genommen, was er wollte.
„Ich wünsch mir nichts mehr“, sagte er.
 „Unsinn, jeder Mensch hat Wünsche. Überleg doch.“
„Ach.“ Guido machte eine wegwerfende Handbewegung. „Was soll ich mir hier denn wünschen? ‚Ne Bunte Tapete?“ Er lachte kurz auf und zog einen Tabakbeutel aus seiner Jackentasche. Mit geübten Handgriffen drehte er mehrere Zigaretten. Eine davon steckte er an, inhalierte und blies den Rauch langsam aus.
Drei Tage zuvor hatte die Anstaltsleitung den gerade frei gewordenen Platz in seiner Zelle mit einem zarten, blassen jungen Mann belegt. Der Kerl war ein Spinner. Soviel stand fest. Schwafelte direkt am ersten Abend etwas von Wünsche erfüllen. Dass er eine Fee wäre und eine Mission hätte. Zu allem Überfluss hieß er auch noch Elias. Der gehörte eindeutig in die Klappse und nicht in den Knast. Aber darüber hatten Richter ihre eigene Meinung.
Auf jeden Fall war er ein gefundenes Fressen für die Jungs auf seinem Gang. Die freuten sich doch jetzt schon darauf, ihm beim nächsten Duschen die Regeln zu erklären. Guido überlegte noch, ob er ihn warnen oder alles seinen natürlichen Weg gehen lassen sollte. Letzteres hätte den Vorteil, dass der Junge vermutlich eine Weile die Klappe halten würde. Auf der anderen Seite war Elias eine Abwechslung. Und im Vergleich zu seinem Vorgänger Red-Man Joe zumindest äußerlich ein Gewinn.
„Ich wünsch mich nach draußen“, sagte Guido schließlich, wohl wissend, dass das niemand bewerkstelligen konnte. Außer einem Richter. Und der würden einen Teufel tun, ihn zu begnadigen, nachdem er diesem jämmerlichen Juwelier seinen Laden ausgeräumt hatte. Erneut sog er an der Zigarette. Die Asche ließ er in seine offene, schwielige Handfläche fallen.
„Das geht nicht“, antwortete Elias.
„Wieso nicht? Ist ein richtiger, echter Wunsch.“
Elias wackelte so heftig mit dem Kopf, dass sein feines, schulterlanges Haar hin und her wehte.
„Schon. Aber kein guter.“
„Seit wann entscheidest du, welcher Wunsch für wen gut ist? So als Fee ist man doch bloß Erfüllungsgehilfe.“
„Nein, nein, auch Feen haben einen Ehrenkodex. Wenn ein Mensch die Gesetze nicht befolgt hat, muss er dafür gerade stehen.“
„Ach, du Scheiße.“ Guido verzog verächtlich das Gesicht. „Eine moralische Fee. Wieso muss ausgerechnet mir sowas passieren?“

...


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