Land-News

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Dienstag, 15. September 2015

"Der tut nix" "Der will nur spielen" und "Das hat er ja noch nie gemacht" - diese Sätze kennen Hunde-  und Nichthundehalter zur Genüge.
Ich möchte noch einen Satz hinzufügen, der in der Hundehalterwelt allerdings meistens auf völliges Unverständnis stößt und der heißt:

"Ich möchte keinen Kontakt."

Dieser Satz bedeutet nicht, dass die Hunde sich an stramm gespannten Leinen, damit man sie im Notfall eilig zur Seite zerren kann (mit den Worten s.o.), doch mal eben Hallo sagen können.
Er bedeutet auch nicht, dass mein Hund bissig ist.
Genausowenig, dass ich ihn nicht "im Griff" habe.
Und ich bin weder menschen - noch hundefeindlich.

Er bedeutet einfach, dass ich kein Beschnuppern möchte (oder gar, dass unserem Hund auf dem Kopf herumgetatscht wird, weil er so niedlich aussieht). Alle sollen aneinander vorbeigehen und dabei möglichst einen höflichen Bogen machen. So gehen Hunde nämlich grundsätzlich aufeinander zu, wenn man sie denn lässt. In Hundeschulen wird ihnen ja antrainiert, (bzw. ihr natürliches Verhalten wird abtrainiert), dass sie in fünfzig Zentimeter Abstand an einem anderen Hund vorbeizugehen haben, ohne dabei auch nur mit dem Ohr zu zucken.
Hunde achten die Individualdistanz anderer Hunde und möchten auch, dass ihre gewahrt wird. Außerdem gehe ich immer zwischen meinem und dem Fremdhund, um meinem Hund Schutz zu geben.

Unser Hund gehört der Rasse Zwerggrizzly an. "Sitz" und "Platz" hat er seit langem nicht mehr gehört. Ich sage ihm nur, dass er bei mir bleiben soll. Und das macht er dann auch. Ob er dabei sitzt oder lieber liegt oder steht, ist  mir Einerlei.
Kommt uns ein fremder Hund entgegen, merke ich innerhalb von Sekunden, ob das ruhig abläuft oder hektisch wird.
Hektik -  das heißt wildes Herumgerenne, anrempeln, umwerfen. Das, was gemeinhin als schönes Spiel bezeichnet wird. Ich empfinde es nicht als besonders nett, wenn ein Hund einfach in einen anderen hineinbrettert. Würde mir ein fremder Mensch zur Begrüßung ungefragt auf Schultern und Rücken schlagen, mich mitziehen, mir den Kopf tätscheln und permanent auf mich einreden, würde ich denken, dass er nicht alle Tassen im Schrank hat. Bei Hunden finden wir so ein Verhalten eigenartigerweise lustig.

Also - Hektik geht gar nicht und ich sage "Ich möchte keinen Kontakt".

Die Blicke, die mir einige Hundehalter daraufhin zuwerfen reichen von mitleidig, über erstaunt, bis hin zu Kopfschütteln. "Der darf nicht spielen", sagen sie im Vorübergehen zu ihren Hunden, gerade so laut, dass ich es hören kann.
Damit kann ich inzwischen sehr gut leben, weil ich weiß, wie aufgedreht unser Hund früher nach solchen Begegnungen war. Sein Gesichtsausdruck, sein angespannter Körper - alles signalisierte Stress.
Treffen wir auf einen Hund, beide strahlen Ruhe aus und der andere Hundehalter ist einverstanden, gebe ich unseren Hund frei. Die Begrüßung verläuft dann höflich und respektvoll. Manchmal gehen sie dann gleich weiter, manchmal zupfen sie zusammen ein wenig Gras oder schlendern in aller Ruhe gemeinsam über den Weg. Unser Hund wedelt sacht mit der Rute. Körper und Ausdruck sind weich. Dabei fühlen Mensch und Hund sich wohl.
Solltet ihr also einmal einer Frau mit einem kleinen Grizzly begegnen, die sagt, sie wünscht keinen (Hunde)Kontakt, dann wisst ihr ja jetzt, warum.





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