Land-News

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Freitag, 20. Januar 2017

Ich lebe sehr eng mit meinen Tieren. Mich interessieren ihre Verhaltensweisen, ihre Art, zu kommunizieren und Gemeinschaft zu leben. Dadurch beobachte ich sie natürlich viel und genau und erlebe oft Schönes und Überraschendes.

Unser "Dicker" hat langes, dichtes Fell (s. Foto weiter unten). Bei Schnee bilden sich zwischen seinen Zehen und an den Beinen dicke Schneekugeln. Irgendwann stören sie beim Laufen. Dann legt er sich hin und knabbert sie ab. Vor ein paar Tagen legte sich der kleine Hund dazu und half ihm, die Schneekugeln loszuwerden. Er ging sogar zu den Hinterpfoten und zupfte dort weiter, als er vorne fertig war.
Solche Erlebnisse berühren mich. Sie zeigen mir, mit wie viel Empathie und Verständnis die Tiere miteinander umgehen. Und dass sie mich in diese Gemeinschaft miteinbeziehen ist einfach nur beglückend.

Das, was ich mit meinen Tieren erlebe, inspiriert mich zu den unterschiedlichsten Geschichten.

Hier eine Leseprobe aus (m)einem Kurzgeschichtenbüchlein:  

Das Leben ist ein Hundeplatz 


"Ivo!"
"Ivo!"
Mit weit schwingenden Armen stampfte Julia durch den Wald. Der lange Regenmantel flatterte hinter ihr her, als schaffe er es nicht, mit ihr Schritt zu halten.
Verdammt, wo steckte dieser blöde Hund denn bloß? Julia blieb stehen.
„Ivo, komm jetzt sofort hierher.“ Sie lauschte. Kein Bellen, kein Hecheln, kein Rascheln im Unterholz kündigte Ivo an. Julia schaute auf die Uhr. Fünf Minuten würde sie noch suchen. Keine Sekunde länger.
„Nimm einen Hund aus dem Tierheim. Da sitzen so viele und die sind so dankbar“, hatten ihre Freunde gesagt, nachdem der erste Schmerz über den Verlust ihrer geliebten Kitty abgeklungen war und sie sich hatte vorstellen können, einen neuen Hund in ihr Leben zu lassen.
Julia seufzte. Seit Ivo bei ihr lebte, vermisste sie ihr Cocker Mädchen noch mehr.
Aber im Grunde war sie selbst schuld. Sie hatte sich einlullen lassen von der Vorstellung, eine gequälte Kreatur vor einem grausamen Ende zu bewahren. Im Internet gab es Hunderte von ihnen, wenn nicht Tausende. Der schelmische Blick eines braun gefleckten Rumänen hatte ihre Seele berührt und kurzentschlossen entschied sie, ihn aufzunehmen. Einen gequälten Eindruck hatte Ivo allerdings nie gemacht. Fröhlich und recht gut genährt war er einige Wochen zuvor bei ihr eingezogen. Von Dankbarkeit keine Spur. Er war zwar freundlich, brachte Menschen jedoch nicht mehr als höfliches Interesse entgegen. Ansonsten machte Ivo einfach sein eigenes Ding. Was Julia wollte, ignorierte er.
„Ivo!“ Ein letzter hilfloser Versuch. Ein weiterer Blick auf die Uhr.
Jetzt reicht’s, dachte Julia. Dann such dir doch ein Wolfsrudel, dem du sich anschließen kannst.
Mit zügigen Schritten ging sie zurück nach Hause. Als sie um die Hausecke bog, sah sie Ivo vor der Tür sitzen. Zufrieden und mit unschuldigem Blick.
„Gar nicht so blöd“, dachte Julia. Obwohl sie ihn am liebsten ordentlich zusammengestaucht hätte, schloss sie wortlos die Tür auf und ließ ihn ins Haus. So ging es nicht weiter. Schließlich konnte sie keinen Elefantenzaun um ihr Grundstück ziehen, um zu verhindern, dass er sein gewohntes Straßenleben fortsetzte. Sie brauchte dringend Hilfe.

Wenige Tage später fuhr Julia zu einer Schnupperstunde auf einen Hundeplatz.
Die Hundetrainerin, eine kugelähnliche Mittvierzigerin mit roten Strähnen in den ansonsten recht farblosen Haaren, begrüßte Julia.
„Ich bin Heike. Wir duzen uns alle“, sagte sie und schickte Julia auf die Wiese zu den anderen Teilnehmern.
An der Seite einer jungen Frau schwebte ein Afghane, elegant wie ein arabisches Pferd und so vorbildlich „bei Fuß“, dass Julia ganz neidisch wurde. Beide besaßen Modelmaße und waren blond mit welligem Seidenhaar. Ein Stück weiter wartete eine ältere Frau mit ihrem Rauhaardackel. Der riss bei Ivos Anblick sofort wild an der Leine und kläffte.
Die Besitzerin interessierte sich mehr für ihre Fingernägel, als für das Wutbündel zu ihren
Füßen. 
Das Model blieb stehen, schaute in die Runde, als wolle sie sich vergewissern, ob ihr die Bewunderung aller sicher war und kam dann auf Julia zu.
„Hallo, ich bin Tabea“, sagte sie mit schleppender Stimme. „Und das ist Ivy.“
Julia stellte sich ebenfalls vor und sagte, Ivo käme aus Rumänien.
„Oh, ein Osteuropäer.“ Tabea blickte ein wenig abschätzig auf ihn herab. „Da weiß man nie, was man kriegt. Und ob der nicht von einem dubiosen Hundehändler stammt. Ivy kommt aus einer seriösen Zucht.“ Mit langen Fingern strich sie Ivy eine blonde Strähne über den Augen weg.
Julia bekam einen roten Kopf. Hatte sie womöglich gar kein gutes Werk getan, sondern war der Mitleidsmasche eines zweifelhaften Händlerringes aufgesessen?
„Er kommt aber vom Tierschutz“, stammelte sie.
Tabea winkte ab.
„Die verdienen doch auch nur.  Ivy hat übrigens schon mehrere V‘s. Demnächst soll sie Welpen bekommen.“
„V’s?“, fragte Julia irritiert.
„Vorzüglich. Der Richter war total begeistert von ihrem Aussehen und ihrer Ausstrahlung.“ Sie zog eine Bürste hervor und strich damit das Haar auf Ivys Kopf glatt, das Julias Ansicht nach gar nicht strubblig war.
„Verstehe. Sie ist ja auch sehr hübsch“, erwiderte sie.
Das Gebell des Dackels begann Julia auf die Nerven zu gehen.
„Irene, bring den Peppi zur Ruhe! Sonst zahlst du.“ Heike betrat den Platz mit energischen Schritten. Die angesprochene Irene zerrte den tobenden Peppi zu sich heran.
„Ruhe jetzt, Peppi! Aus! Schluss jetzt! Peppi!“

Heike seufzte tief und verdrehte die Augen. Dann wandte sie sich Tabea zu.
...




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